{"id":315,"date":"2011-09-20T11:03:41","date_gmt":"2011-09-20T11:03:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.matthiaschenk.de\/?p=315"},"modified":"2024-05-14T17:36:30","modified_gmt":"2024-05-14T15:36:30","slug":"schlechte-unendlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.matthiaschenk.de\/?p=315","title":{"rendered":"schlechte Unendlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Weiter so. Wie bisher. Nat\u00fcrlich mit Variationen, Erweiterungen, Ver\u00e4nderungen und Entwicklungen. Weiter so? Vor dieser Frage stehen Einzelne, Gruppen, Initiativen, Unternehmen und Organisationen. Man trifft sich zu Zukunftswerkst\u00e4tten, zu Perspektivmeetings, Visionskonferenzen\u2026\u00a0<\/p>\n<p>Wie denken wir \u00fcber dieses \u201eWeiter\u201c? Wie denken wir den Begriff \u201eZuk\u00fcnftig\u201c? Etwas, was noch nicht ist. Etwas was wird. Etwas was noch werden kann (Wir sagen ja auch: Das kann noch werden oder: Das wird nie etwas.). Auf diese Spur hat mich Johannes St\u00fcttgen gebracht. Bei seinem letzen Auftritt im Schlo\u00df Freudenberg (16.9.) tritt er an die Tafel und zeichnet eine Linie \u2026 &#8222;unendlich verl\u00e4ngert&#8220;. Dieses Bild von Unendlichkeit, eine Gerade, nannte Johannes St\u00fcttgen ein Bild der <strong>schlechten Unendlichkeit<\/strong>. Diese zwei Worte haben mich elektrisiert. Bei meiner Suche bin ich auf diese Stelle gestossen: &#8222;Etwas wird ein Anderes, aber das andere ist selbst ein Etwas, also wird es gleichfalls ein Anderes, und so fort bis ins Unendliche. Diese Unendlichkeit ist die schlechte oder negative Unendlichkeit, indem sie nichts ist, als die Negation des Endlichen, welches aber ebenso wieder entsteht, somit ebenso sehr nicht aufgehoben ist &#8211; oder diese Unendlichkeit dr\u00fcckt nur das Sollen des Aufhebens des Endlichen aus. Der Progress ins unendliche bleibt bei dem Aussprechen des Widerspruchs stehen, den das Endliche enth\u00e4lt, da\u00df es sowohl Etwas ist als sein Anderes, und ist das perennierende Fortsetzen des Wechsels dieser einander herbeif\u00fchrenden Bestimmungen&#8220; (Hegel, Enzyklop\u00e4die \u00a7 93, \u00a7 94) perennierend (lat. perennis \u201eausdauernd\u201c)<\/p>\n<p>Johannes St\u00fcttgen kr\u00fcmmt seine \u201eunendliche Linie\u201c zur\u00fcck. Wie die Kr\u00fcmmung eines Spazierstocks. \u201eDas Ganze kehrt sich um, kommt wieder auf Dich zur\u00fcck, aber nicht mehr auf derselben Linie.\u201c Dieses Kr\u00fcmmen, das ist der Punkt, die Stelle, auf die es ankommt. St\u00fcttgen nennt diesen Punkt Nullpunkt. Durch den wir unser Denken gleichsam wie durch ein Nadel\u00f6hr durchziehen m\u00fcssen. Das leere Blatt. Oder die Garderobe, an der ein Lehrer jeden Morgen sein Vorwissen, sein Vorhaben, seine Vorbereitungen aufh\u00e4ngen soll, um dann \u201eneu\u201c zu sehen und zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der vern\u00fcnftigste Mensch, den er kenne, stellte ein Schriftsteller, dessen Name mir leider nicht mehr einf\u00e4llt, einmal fest, sei sein Schneider: \u00abEr nimmt immer wieder neu Ma\u00df von mir\u00bb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter so. Wie bisher. Nat\u00fcrlich mit Variationen, Erweiterungen, Ver\u00e4nderungen und Entwicklungen. Weiter so? Vor dieser Frage stehen Einzelne, Gruppen, Initiativen, Unternehmen und Organisationen. Man trifft sich zu Zukunftswerkst\u00e4tten, zu Perspektivmeetings, Visionskonferenzen\u2026\u00a0 Wie denken wir \u00fcber dieses \u201eWeiter\u201c? Wie denken wir den Begriff \u201eZuk\u00fcnftig\u201c? Etwas, was noch nicht ist. Etwas was wird. 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