{"id":494,"date":"2013-02-12T08:59:27","date_gmt":"2013-02-12T08:59:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.matthiaschenk.de\/?p=494"},"modified":"2024-05-14T17:36:30","modified_gmt":"2024-05-14T15:36:30","slug":"helau-alaaf-narri-narro-karneval-und-fastnacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.matthiaschenk.de\/?p=494","title":{"rendered":"Helau, Alaaf, Narri Narro, Karneval und Fastnacht"},"content":{"rendered":"<p>Dank der Beatrice war ich gestern beim Rosenmontagszug in Mainz.<br \/>\nUnd das war eine wunderbare Gelegenheit \u00fcber Karneval, Fas(t)nacht nachzudenken. Ich habe dann mitten in &#8222;Helau&#8220;, &#8222;Narri Narro&#8220; gerufen und damit<br \/>\nsowohl die Gardisten und T\u00e4nzerinnen irritiert als auch die Zuschauerinnen und Zuschauer. Ich habe dann diese Quellen gefunden und hier zeigt sich, da\u00df<br \/>\nNarri die eine Seite des Verkleideten, Bemalten usw. bezeichnet und Narro genau die andere Seite. Dazu kommt noch, da\u00df mein Freund Philipp Baumgarten in<br \/>\nDetmold gerade den Tod spielt (Jedermann) und seine Figur auch die beiden Seiten Narri, Narro zeigt. Und hier, f\u00fcr alle Interessierten die Quellen:<\/p>\n<p>\u201cZu den gr\u00f6\u00dften S\u00fcnden des Kenntnislosen z\u00e4hlt es, in \u201cAlaaf\u201d-Regionen, \u201cHelau\u201d zu rufen und umgekehrt. Seit 1733 ist in K\u00f6ln der Ruf \u201cK\u00f6lle Alaaf\u201d nachweisbar, was sich sinngem\u00e4\u00df mit \u201cHoch lebe K\u00f6ln\u201d \u00fcbersetzen l\u00e4\u00dft. Das konkurrierende \u201cHelau\u201d k\u00f6nnte sich von \u201cH\u00f6lle auf\u201d ableiten oder im Gegenteil von \u201cHalleluja\u201d, da sind die Fachleute uneins.\u201d Quelle: S\u00fcddeutsche Zeitung, 18.\/19. Februar 2012, Joachim K\u00e4pper, Die Freiheit der Narren.<\/p>\n<p>&#8222;Fastnacht&#8220;, das bereits um 1200 als mhd. &#8222;vastnacht&#8220; belegt ist, wird bei diesem Ansatz demnach ganz zweifellos als die Nacht bzw. im weiteren Sinne die sechs Tage vor Beginn der Fastenzeit gedeutet und in die Ordnung des Kirchenjahres eingebettet gesehen, auch wenn h\u00e4ufig durch Wegfall des &#8222;t&#8220; aus Fastnacht &#8222;Fasnacht&#8220; und schlie\u00dflich im Dialekt &#8222;Fasnet&#8220; oder &#8222;Fasent&#8220; daraus geworden ist.<\/p>\n<p> &#8222;Die Kirche hat die Fastnacht n\u00e4mlich weder jemals v\u00f6llig verboten noch sie irgendwann uneingeschr\u00e4nkt gutgehei\u00dfen&#8230; Dass die beiden Sph\u00e4ren Fastnacht und Fastenzeit sich gegenseitig bek\u00e4mpfen mussten, war unter philosophisch-theologischen Gesichtspunkten eine unabdingbare Notwendigkeit&#8230; Das f\u00fchrte schlie\u00dflich so weit, dass manche Prediger das Verh\u00e4ltnis Fastnacht &#8211; Fastenzeit sogar analog zu der auf den heiligen Augustinus zur\u00fcckgehenden Zweistaatenlehre interpretierten, das hei\u00dft, die Fastnacht als &#8222;civitas diaboli&#8220;, als vom Teufel regierte, verkehrte, gottferne Welt auslegten, w\u00e4hrend die Fastenzeit f\u00fcr sie die &#8222;civitas Dei&#8220; repr\u00e4sentierte, die Gott wohlgef\u00e4llige Welt des Heils. Im Zuge dieser Diabolisierung der Fastnacht traten deren Akteure dann auch zunehmend als Teufels- und D\u00e4monengestalten auf, bis seit dem Erscheinen des ber\u00fchmten Buchs &#8222;Das Narrenschiff&#8220; von Sebastian Brant 1494 nach und nach die Figur des Narren als Inbegriff menschlicher Unzul\u00e4nglichkeit zum Hauptrepr\u00e4sentanten der tollen Tage wurde.&#8220; Fastnachtsforscher Dr. Werner Mezger<\/p>\n<p> &#8222;Fastnacht&#8220;, &#8222;Fasching&#8220; (entstanden aus &#8222;vastschanc&#8220; = &#8222;Ausschank vor Fastenbeginn&#8220;) und &#8222;Karneval&#8220; (von lat. &#8222;carnelevale&#8220; = &#8222;Fleischentzug&#8220; oder eher scherzhaft &#8222;carne vale&#8220; = &#8222;Fleisch lebe wohl&#8220;) haben zwar dieselben Wurzeln und standen zun\u00e4chst f\u00fcr dieselben Brauchph\u00e4nomene, doch ab den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts etwa erhielt das, was wir heute unter Karneval verstehen, sein eigenes, edleres Gepr\u00e4ge, nachdem das derbe Treiben der Narren vor allem bei der Obrigkeit und den gebildeten Eliten zunehmend in Verruf geraten und um 1800 auf einem Tiefpunkt angelangt war, das Interesse an der Fasnacht jedoch im Zuge der Romantik wieder wuchs (K\u00f6ln 1823).<br \/>\nW\u00e4hrend im rheinischen Karneval ausgelassene, \u00fcbersch\u00e4umende Fr\u00f6hlichkeit das n\u00e4rrische Treiben beherrscht und nebenbei noch vor allem die Politik in ironisch-sarkastischer Weise durch den Kakao gezogen wird, kennt die schw\u00e4bisch-alemannische Stra\u00dfenfasnacht neben der heiteren auch noch eine andere, manchmal sogar &#8222;tod&#8220;-ernste Seite, bei der der christliche Ursprung der Fasnacht auch heute noch teilweise zum Tragen kommt.<\/p>\n<p>Wer beispielsweise den Hintergrund der \u00dcberlinger (Bodensee) H\u00e4nselegestalt kennt, den wird es mitunter nicht v\u00f6llig unber\u00fchrt lassen, wenn beim &#8222;H\u00e4nselejuck&#8220; (jucken = alemann. f\u00fcr h\u00fcpfen) am Abend des Fasnachtsamstags der Tod, verk\u00f6rpert durch den H\u00e4nsele, gleich tausendfach an ihm vor\u00fcberzieht, und er sich dabei eventuell auf den urspr\u00fcnglichen Sinnzusammenhang zwischen Fastnacht und Aschermittwoch, zwischen Narrheit und Tod, auf das &#8222;Memento mori&#8220; (&#8222;gedenke des Todes&#8220;, die insbesondere an Aschermittwoch in der Kirche ausgesprochene Mahnung), d.h. die Verg\u00e4nglichkeit und Nichtigkeit alles Irdischen besinnt. Hier schwingt also manchmal auch noch so etwas wie Wehmut oder Weltschmerz mit, wenngleich den wenigsten Narren wie auch Zuschauern die enge Verbindung zwischen Maskierung und Tod, die auch in der urspr\u00fcnglichen Bedeutung der in S\u00fcddeutschland h\u00e4ufig anstelle von &#8222;Maske&#8220; benutzten Bezeichnungen &#8222;Larve&#8220; (von lat. &#8222;larva&#8220; = b\u00f6ser Geist, Gespenst, Gerippe) sowie &#8222;Scheme&#8220; (= Spukbild, Schatten eines Verstorbenen) deutlich wird, bekannt sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Quelle: Peter Haller, www.narren-spiegel.de <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank der Beatrice war ich gestern beim Rosenmontagszug in Mainz. Und das war eine wunderbare Gelegenheit \u00fcber Karneval, Fas(t)nacht nachzudenken. Ich habe dann mitten in &#8222;Helau&#8220;, &#8222;Narri Narro&#8220; gerufen und damit sowohl die Gardisten und T\u00e4nzerinnen irritiert als auch die Zuschauerinnen und Zuschauer. 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