Weihnachtspost

Es gibt jetzt die Weihnachtspost per mail. An alle Freunde, an den ganzen E-mail-Verteiler. Noch kurz vor der Neujahrspost habe ich diesen Hinweis zum Thema Post, Briefe und Gespenster gefunden. Er stammt von Franz Kafka aus einem Brief an Milena.

Es ist ja ein Verkehr mit Gespenstern und zwar nicht nur mit den Gespenst der Adressaten, sondern auch mit den eigenen Gespenst, das sich einem unter der Hand in dem Brief, den man schreibt, entwickelt… Wie kam man nur auf den Gedanken, dass Menschen durch Briefe miteinander verkehren können! Man kann an einen fernen Menschen denken und man kann einen nahen Menschen fassen, alles andere geht über Menschenkraft. Briefe schreiben aber heisst, sich vor den Gespenstern entblössen, worauf sie gierig warten. Geschriebene Küsse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den Gespenstern auf dem Weg ausgetrunken. Durch diese reichliche Nahrung vermehren sie sich ja so unerhört. Die Menschheit fühlt das und kämpft dagegen, sie hat, um das Gespenstische zwischen den Menschen auszuschalten und den natürlichen Verkehr, den Frieden der Seele zu Erreichen, die Eisenbahn, das Auto, den Aeroplan erfunden, aber es hilft nichts mehr, es sind offenbar Erfindungen, die schon im Absturz gemacht wurden, die Gegenseite ist soviel ruhiger und stärker, sie hat nach der Post, den Telegraphen erfunden … Die Geister werden nicht verhungern, aber wir werden zugrundegehn. Franz Kafka, 1922

  • Christian sagt:

    Grüß Dich Matthias im neuen Jahr!

    Du hast Franz K.’s Brief an Milena gefunden. Die Gespenster des neuen Jahrhunderts weben ja im web. So habe ich in Belgien eine Freundschaft mit Milena, die dann gar Wundersames in die Welt bringt – siehe selbst & lausche: http://www.youtube.com/watch?v=4nAA5APnx_s

    (Milena war letzten Sommer hier bei uns in Sachsen zur Dante Akademie.)

    Herzensgruß
    Christian

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