TO-DO-LISTE

Was ist eine To-do- Liste? Bei einer morgendlichen Runde ergab sich die Frage. Wie lautet die deutsche Übersetzung für die To-do-Liste? Was zu tun ist, Erledigungsliste, Pflichtenheft, Aufgaben, Hingabe… .

Zurück in meiner Werkstatt habe ich nach einem Text von Herman Weidelener gesucht. Und gefunden: Wege zum Dasein – Aufgaben auf dem Weg zu einer inneren Schulung. Ein Kapitel ist der Frage: Was ist eine Aufgabe? gewidmet.

„ Wir pflegen im Zusammenhang mit der Schule von Aufgaben zu sprechen. Da heißt es zum Beispiel: „Ich habe heute Rechnungen zu machen, das ist meine Hausaufgabe.“ Aber hier handelt es sich nicht um eine Aufgabe, hier handelt es sich um etwas ganz anderes: etwas Auferlegtes, eine Forderung, eine Pflicht, eine Last – aber nicht um eine Aufgabe. Ein Schullehrer kann überhaupt nicht Aufgaben stellen; diese Bezeichnung entstammt einem Missverständnis.  Aufgabe ist etwas ganz anderes.

Ein anderes Beispiel: ist das eine Aufgabe, wenn eine Hausfrau einen Korb voll Kirschen waschen, abzupfen, entsteinen und einkochen muß?… auch das ist keine Aufgabe. Aufgabe ist etwas ganz anderes.Wohl kommt in einem solchen Zusammenhang das W e s e n  der Aufgabe in den Raum des Menschen herein – aber nicht im Sinne der üblichen Auffassung. Wenn in diesem Zusammenhang der Begriff der Aufgabe auftaucht – Das Auftauchen eines Begriffes stellt immer einen g e i s t i g e n Akt dar, der sich im Menschen vollzieht; ohne einen solchen dringt kein Gedanke, kein Begriff in den Menschen ein ( e s  f ä l l t  dem Menschen ein, Gedanke und Begriff fallen in den Menschen hinein). Dann meint dieses geisitige Wesen der Aufgabe das, was der Mensch dabei als Rolle zu übernehmen hat, nämlich: die  S e l b s t a u f g a b e ! „Aufgabe“ bedeutet eine Anweisung für die Haltung des Menschen.

(…) Bist du bereit,  d i c h  a u f z u g e b e n ? Das erfordert Außerordentliches. Es ist das, was Petrus als er den Meister auf dem Wasser wandeln sah, plötzlich fühlte: daß er aus dem Schiff heraustreten und dem Meister entgegengehen muß. Wir wissen, daß es ihm nicht gelungen ist.

(…) Aufgabe bedeutet: nicht nur sich selbst vergessen sollen, nicht nur sich selbst vergessen wollen – beides gehört ja sehr stark in den Willensbereich – , sondern: sich selbst vergessen dürfen.
„ Hermann Weidelener, Wege zum Dasein, 1988, S. 7 ff. 
Auf diesem Weg auch ein Dankeschön an den Freund, der mir vor 10 Jahren das Kapitel zur „Aufgabe“ kopiert hat.

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