Heute

aber

Diesem Wort widme ich diesen Beitrag.

Es ist eines der meist gebrauchten Worte und oft wird es wie ein ‚Unwort‘ behandelt.„Bitte streicht das aber!
Sag doch lieber und oder dazu, darüberhinaus oder dennoch.“ So kann man den harten Einwand tarnen, dekorieren, überformen. Das aber ist wie ein Stoppschild.
Dachte ich.
Besser gesagt, es war nicht gedacht, so war halt meine Vorstellung von aber. Unbegründet. Keine Grundlage.

Ich habe mich an dem Wort gerieben. Wann sagt ein Kind zum ersten Mal aber? Was bleibt von dem Wort, wenn ich es vor mich hinstelle, hinmale, hinsage, singe … Nichts. Kein Haken, keine Lücke, kein Ansatz für ein Begriff, den ich begreifen könnte.
Jetzt finde ich in Konstanz/Kreuzlingen in einer Brockenstube (Blaues Kreuz) im Buchlager das Buch: Grund und Grat, von Paul Zinsli, die Bergwelt im Spiegel der schweizerischen Alpenmundart. 350 Seiten habe ich verschlungen und dann Seite für Seite, Bild für Bild verdaut….
Und jetzt kommt‘s:
Im Wörterverzeichnis mit etymologischen Hinweisen und Ortsangaben suche Ich das Wort ‚ Äberi und finde die Übersetzung: a) schneefreier Boden, b) schneefreie Zeit
und dann die Herleitung: schwzd. aaber, aaper, schnee-frei; mhd. aeber, aber schneefrei.
a – bari = verneinendes a mit bari (beran tragen).
Also: aber = nicht (Schnee) tragend.

Ein aber gesagt, gelesen, ist wie ein Ort, eine Zeit, wo der Schnee weggeschmolzen ist.Von da an (vor 10 Tagen) begrüß ich innerlich alle aber.
Es schneit,
der Schnee schmilzt,
es schneit.
Jedes aber ist wie ein kleiner Winter und ein Frühling.

Matthias Schenk, Schloß Freudenberg und Schloß Freudental am Bodensee (Allensbach) 4. August 2016

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